Die Brutalität der Armut und die Gnade Gottes

Es gibt Geschichten, die müssen einfach erzählt werden. Weil sie herzzerreissend sind und zeigen, wie brutal Armut das Leben von Menschen attackiert. Gleichzeitig erzählen sie aber auch von Gott, der selbst Hunde leitet, um Leben zu retten. 

Die Geschichte von Chaltu (35) ist so eine Geschichte. Ich traf sie gestern in der Nähe von Addis Abeba. Sie hat fünf Kinder, eins davon ist noch ein Baby. 

Ihr Mann hat sie verlassen und sich eine andere Frau genommen. Nur selten kommt er vorbei, um seine Kinder zu sehen. Wie es Chaltu geht, interessiert ihn nicht. 


Die Single-Mom schlägt sich mit Tagelöhner-Jobs durch, um für sich und ihre Kinder zu sorgen. Immer wieder muss sie die Kinder allein im Haus zurück lassen, um für andere Wäsche zu waschen. Ihr durchschnittliches Einkommen: 3.000 Birr (ca. 26,40€). Die Miete für ihr kleines Zweiraumhaus mit zwei weiteren kleinen Holzverschlägen auf einem notdürftig eingezäunten Gelände kostet 2000 Birr im Monat (10,93€). Es bleiben der sechsköpfigen Familie 1000 Birr zum Leben, wovon 100 Birr für den Strom für eine einzige kleine Birne im Hauptaufenthaltsraum monatlich bezahlt werden. Ansonsten ist es für diese Familie mit 900 Birr im Monat (4,92€) auf allen Ebenen zappenduster. 


Als das vierte Kind noch sehr klein war, musste sie die Kinder immer wieder alleine lassen, um Arbeit zu suchen. Eines Tages krabbelte das Mädchen durch den löchrigen Zaun raus und fiel in einen Bachlauf. Der Hund bemerkte es und bellte laut, aber keiner der Nachbarn hörte es. Schliesslich zerrte der Hund das Mädchen selbst aus dem Wasser und zurück aufs Gelände.


Heute hat Chatul ein weiteres Kind, geboren per Kaiserschnitt, der ihr auch anderthalb Jahre später noch Schmerzen verursacht. Auch heute versucht sie auf vielen Wegen die Familie am Leben zu halten. Ihre fünf Hühner sind vor kurzem an einer Seuche gestorben. Parallel hat sie einen Bananenbaum gepflanzt und versucht, die Stauden zu verkaufen. Die wenigen Tomaten, die sie anzupflanzen versucht, bringen auch nur wenig ein. 


Was mir aber fast das Herz zerrissen hat: Im kleinen Schlafzimmer gibt es nur eine Matratze, die für sie und ihr Baby reicht. Die anderen Kinder schlafen jede Nacht ohne Decke und Kissen auf dem nackten Lehmboden im Hauptaufenthaltsraum. 


Seit kurzem gehört Chatul und das Baby zum Mutter-Kind-Programm der lokalen Kirchengemeinde. Das gibt Perspektive, aber es ist noch ein langer Weg aus der Armut. Auf meine Frage, was sie von Gott erwartet, packt sie keine lange To-do-Liste aus. Kein Wort der Klage kommt über die Lippen der bewundernswert starken Mutter: "Ich bin Gott sehr dankbar für alles, was er bereits für uns getan hat. Ohne ihn wären wir heute nicht da, wo wir sind." Wow! Aber es ist noch soviel zu tun. 


Das Mutter-Kind-Programm von Compassion und die lokale Mekane Jesu-Gemeinde wird dabei begleiten und alles tun, dass es schrittweise besser geht. 


Wenn du dabei mithelfen möchtest:

www.compassion.de/mutter-kind-programm



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