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Warum Glück nicht Glück ist – und du trotzdem glücklich werden kannst

Auch schon mal „so richtig Schwein gehabt?“. Wenn wir Glück haben, empfinden wir auch Glück. Hä, ist das nicht dasselbe. Nicht ganz, wie du hier schnell erfahren wirst. Und das ist nicht die einzigeSprachverwirrung. Teil 4 der neuen Serie über"Glückliches Leben“.

An welche Situation, in der du so richtig Glück hattest, erinnerst du dich als Erstes? Geht es dir auch so? Je länger du nachdenkst, desto mehr Glücks-Momente fallen dir ein. An eine Situation, in der ich mächtig Glück gehabt habe, kann ich mich sehr gut erinnern:

 

Ich war mit dem Auto in England unterwegs und hatte offensichtlich nicht nur Probleme mit dem Linksfahren, sondern auch mit einigen Verkehrsschildern. Jedenfalls fuhr ich in eine Straße hinein, wunderte mich zwar ein bisschen, dass dort relativ viele Menschen mitten auf der Fahrbahn liefen, fuhr aber trotzdem weiter. Nach ca. 500 Metern sprang vom Straßenrand ein englischer Polizist (mit dem markanten halbrunden Helm auf dem Kopf) vor mein Auto und brachte es zum Stillstand. Als ich die Fensterscheibe öffnete, fragte er mich, ob ich nicht wüsste, wo ich mich befände? Ich sagte, ich wäre hier in Oxford und wollte auf die nächste Querstraße. An seiner gerunzelten Stirn wusste ich, dass das nicht die 100.000-Euro-Antwort war.

 

Er machte mir klar, dass ich mich mitten in einer Fußgängerzone befand. Ich hatte kein Schild gesehen, aber das schien ihn nicht zu beeindrucken. Er fragte mich, was ein solches Vergehen denn in Deutschland kosten würde. Jetzt runzelte ich die Stirn, aber er half mir schnell auf die Sprünge, in dem er sagte: „Bei uns hier kostet das 400 Pfund.“

 

Jetzt entglitten mir alle Gesichtszüge. Das muss wohl einen so starken Eindruck auf ihn gemacht haben, dass er durch das Fenster leicht auf meine Schulter klopfte und mit dem freundlichsten aller Polizistengesichter meinte: „Aber für Dich ist das heute kostenlos!“ Glück gehabt!

 

 Sprachgewirr ums „Glück“

 

Die deutsche Sprache ist verwirrend, wenn es um das „Glück“ geht. Zum einen meinen wir „Glück empfinden“, zum anderen „Glück haben“. In anderen Sprachen ist der Unterschied zwischen „Glück haben“ und „glücklich sein“ deutlicher:

 

·       Die Engländer sagen „luck“, wenn sie davon sprechen, dass das Leben uns begünstigt und wir Glück haben, während sie für „glücklich sein“ das schöne Wort „pleasure“ erfunden haben.

 

·       In Frankreich heißt das Glück „chance“ und glücklich sein ist „plaisir“.

 

·       Die alten Römer sagten lateinisch für Glück „Fortuna“, und wenn sie glückliche Momente erlebten, nannten sie das „felicitas“.

 

·       Wer in England dauerhaft im Glück ist, erlebt „happiness“, während er in Frankreich von „bonheur“ spricht.

 

Nur die deutsche Sprache macht es sich einfach: Glück ist Glück ist Glück ...

 

Im 12. Jahrhundert – so haben Sprachforscher herausgefunden – gab es ein Wort, das „Gelucke“ hieß. Die mittelhochdeutsche Sprache kannte das Wort „Gelücke“. Und wie das so ist, scheinen auf dem Weg in die Neuzeit zwei „e“ unterwegs verloren gegangen zu sein. „Gelücke“ hat einen nahen Verwandten, nämlich das Verb „gelingen“. Auf diesem Hintergrund betrachtet heißt „Glück“ ursprünglich, dass etwas gelungen ist oder leicht erreicht wurde.

 

Drehen wir das Zeit-Rad noch ein wenig weiter zurück, dann entdecken wir in der Antike bei Platon, Aristoteles und Seneca den Begriff

 

„Glück“ als ausgewogene Balance zwischen guten und schlechten Erfahrungen, oder glücklichen und unglücklichen Zeiten.

 

Bleibt zum Schluss noch die persönliche Frage: „Was ist Glück für dich?“

 

Teil 5 folgt ...