2026 hat er ein besonderes Jubiläum: 400. Geburtstag (12. März 1607) und 350.Todestag (27. Mai 1676). Das hätte er sich niemals träumen lassen, dass sein Name vierhundert Jahre nach seinem Tod noch bekannt ist.
Er wurde als zweites von vier Kindern geboren. Seine Vorfahren betrieben eine Gastwirtschaft, sein Vater engagierte sich politisch, war sogar mal eine Zeit lang Bürgermeister. Seiner Familie ging es sehr schlecht, denn wie viele andere hatte sie unter den Folgen des Dreißigjährigen Krieges zu leiden. Hunger, Seuchen, Übergriffe von Soldaten, Krieg und Terror.
Er hatte Talent und machte etwas daraus. Er wurde Lehrer, Theologe und Dichter. Schließlich arbeitete er als Pfarrer. Sein Leben war kein Zuckerschlecken.
Er heiratete Anna Maria, und sie bekamen fünf Kinder, von denen vier sehr bald starben. Auch Anna Maria starb viel zu früh. Der Tod war ein ständiger Begleiter im Leben von Paul, der heute in einem Atemzug mit Martin Luther oder Johann Sebastian Bach genannt wird.
Paul Gerhardt ist einer der bekanntesten Liederdichter der Christenheit.
Trotz aller negativen Erlebnisse ziehen sich die Begriffe „Vertrauen haben" und „Fallen lassen" wie ein roter Faden durch das Leben Paul Gerhardts. Mehr als 130 Liedtexte stammen aus seiner Feder. Einer der bekanntesten hat mit Geborgenheit zu tun:
Befiehl du deine Wege (Auszug)
Befiehl du deine Wege
Und was dein Herze kränkt,
Der allertreusten Pflege
Des, der den Himmel lenkt!
Der Wolken, Luft und Winden
Gibt Wege, Lauf und Bahn,
Der wird auch Wege finden,
Da dein Fuß gehen kann.
Dem Herren mußt du trauen,
Wenn dir's soll wohlergehn;
Auf sein Werk musst du schauen,
Wenn dein Werk soll bestehn.
Mit Sorgen und mit Grämen
Und mit selbsteigner Pein
Lässt Gott sich gar nichts nehmen,
Es muss erbeten sein.
Hoff, o du arme Seele,
Hoff und sei unverzagt!
Gott wird dich aus der Höhle,
Da dich der Kummer plagt,
Mit großen Gnaden rücken;
Erwarte nur die Zeit,
So wirst du schon erblicken
Die Sonn' der schönsten Freud'.
Mach End', o Herr, mach Ende
Mit aller unsrer Not,
Stärk unsre Füß' und Hände
Und laß bis in den Tod
Uns allzeit deiner Pflege
Und Treu' empfohlen sein,
So gehen unsre Wege
Gewiß zum Himmel ein.

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